Montag, 25. November 2013

Phrasendreschmaschine

Sowas hatte ich vor Jahren mal geschenkt bekommen, zur allgemeinen Erheiterung auch schon auf einigen Parties und Zusammenkünften heimlich und offen angewandt.
Da ich mein altes blaues Papp-Exemplar nicht mehr finde, habe ich bei Amazon danach gesucht - und siehe da, dieselbe gibt es immer noch!! :-)) Mittlerweile sogar in einigen Schwafelrichtungen mehr, dem Zeitgeist angepaßt. Daß sich auch der Dömmste gewunden, unverständlich und optisch bedeutend klingend ausdrücken kann. ;-)
Ich lese ja auch gelegentlich gern Rezensionen - und bin mittlerweile der Meinung, die meisten (Laien-)Renzensionen sagen wesentlich mehr über den Verfasser selbst aus als über das Buch/den Gegenstand/whatever.
Manchmal allerdings findet sich auch die eine oder andere, die ich gut finde. Diese hier ist eine davon - aus diesen und aus jenen Gründen ( ;-) und nein, ich bin nicht der Verfasser - und kenne ihn auch nicht. Text aus einer Rezension kopiert)
Ich studiere Philosophie und dieses nützliche Utensil möchte ich beim Anfertigen von Hausarbeiten nie wieder missen. Beeindruckt eure Professoren! Egal, welche geisteswissenschaftliche Disziplin oder politische Gesinnung, mit der Phrasen-Dreschmaschine findet ihr die Formulierungen, die den Großen und den Gerne-Großen nicht eingefallen sind: "Diese unsere Seinsgewissheit" (Theologie? Hans Küng?), "historische Schicksalsverantwortung" (Geschichte? Heinrich August Winkler?), "konstruktive Kommunikations-Konzeption" (Psychologie? Foucault?), "sytematisierte Beziehungsstruktur" (Soziologie? Luhmann?) und und und...
Scherz beiseite! Die Phrasen-Dreschmaschine kann auf ihren Benutzer auch heilsam wirken, etwa indem sie den Blick schärft für Geschwafel in Feuilletons und schlechten Büchern. Ich selbst fühle mich auf angenehme Weise ermahnt Schopenhauers Satz zu beherzigen: "Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge" - nicht umgekehrt!
Ich stimme ohne Einschränkung dem Schlußsatz zu:  
Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.

Genau.
Der alte Schopenhauer - steht noch im Bücherschrank. Muß ich gelegentlich mal wieder lesen. Mal sehen, ob ich das Zitat im Original finde. Falls es seines ist. ;-)

Es gibt sogar ein paar Online-PDM, mit denen man seine eigenen Worthülsen erzeugen kann...
Ein besonders gelungenes Beispiel (aus dem interaktiven Phrasendrescher V 2.0):
Unter Zuhilfenahme von bilateralen konvergenten Beziehungsstimuli kann die traditionelle Konzeption der potentiellen Interaktionsprogrammierung unter Berücksichtigung der kontraktären Determinanten bei gleichzeitiger residualer Symbolistik derart funktionalisiert werden, sodaß eine Probabilität des qualifizierten Forschungstriebs weitgehend individualisiert wird. 
Manmanman, ich liiiebe es! *LOL* Ich weiß nicht, was es bedeutet, aber es klingt TOLL!!

In diesem Sinne - einen schönen Abend, Sathiya

Kommentare:

  1. Hallo Sathiya,
    in einem Theaterstück im Millowitsch-Theater in Köln wurde an einer Stelle das Fremdwort "mentale Insuffizienz" gebraucht ... "er leidet unter mentaler Insuffizienz". Darauf entgegnete Peter Millowitsch ganz platt: sach doch jleich dat dä beklopp is ! Diesen Witz habe ich noch genau in Erinnerung, und ich habe mich gekrümmt vor Lachen. Ja, das ist schon ein gewisse Kunst, Wortblasen zu erzeugen, die nichts aussagen. Und andere halten das Gesagte für besonders wichtig. Fremdwörter spielen da auch eine gewisse Rolle, indem man in eine Welt abtauchen kann, die andere nicht verstehen. Teilweise wird das bewußt gemacht, um den anderen nur einen Schein und eine Fassade zu zeigen. Interessantes Thema !

    Gruß Dieter

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    1. Mentale Insuffizienz... LOL!!!
      Der alte Millowitsch hatte so recht. :-))
      Ja, wir modernen Menschen gefallen uns in leeren Worthülsen mit einem Informationsgehalt nahe Null. Leider. (Deswegen lese ich keine Zeitung mehr, es sei denn, aus Zufall oder Langeweile in Arztpraxen. *g*) Traurigerweise, bzw. eher erschreckenderweise wirken Leute, die sich derart geschraubt ausdrücken, ja intelligent, bedeutend, als ob sie was von Belang zu sagen hätten (- was allerdings noch erschreckenderes über die Zuhörer oder Leser aussagt).
      Wo einem sowas begegnet: Als Patient ist man immer verwirrt von den einem größtenteils unverständlichen medizinisch-lateinischen Fachgerede der Ärzte - und nickt irgendwann nur noch, da man auch irgendwo Vertrauen in den Arzt haben muß, und selbst nicht alles wissen kann. Das finde ich normal und verständlich, übrigens auch bezogen auf jedwege Fachrichtung, die Spezialwissen erfordert.
      Ich habe mir auch schon mit schwierigen Fremdwörtern Leute vom Hals gehalten, die ich anders nicht losgeworden bin (aber ich wußte immer, wovon ich rede). ;-)

      Aber was ist mit den öffentlich erzeugten Worthülsen aus den Medien? Gut klingen - und nix dahinter?
      Aktuell zu meinem Ärger - der Koalitionsvertrag. Worthülsen, leere. Dafür 200 Seiten dick. Phrasendreschmaschine at its best ;-) , ich glaube, die in Berlin benutzen ein Sonderexemplar...

      Das ganze Thema paßt auch in gewisser Weise zum als Würde getarnten aufgeblasenen Ego, über das ich schon an anderer Stelle laut nachgedacht habe. ;-)

      Einen fröhlichen 1. Advent!
      Viele Grüße, Sathiya

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    2. ;-) - ist doch 'dasselbe Theater' mit 'Theater - sprich "Kunst" im allgemeinen.
      WIE oft habe ich mich schon gebogen vor 'nicht verstehen', wenn ploetzlich 'sozialer Aufstieg' zusaetzlich noch mit 'Kunstverstaendnis' gespickt wurde?! D.h.: ein ohnehin propenvolles Leben wird dann - um 'besseren Stand' zu untermauern (!) - mit Theater- oder Operngaengen noch ungemuetlicher gemacht wird, WEIL das 'CHIC' ist und man 'DAS' dann auf DIESEM Sozial-Level eben als Status-Symbol so macht = Oerks!
      … und das 'Drumrum' (= restl. Welt) laesst sich doch glatt auch DAdurch beeindrucken!
      Ich finde es einfach schlimm, wie glaeubig die Menschen manchmal sind fuer manche Oberflaechlichkeiten; ob das jetzt 'tolle Worte', chicer Umgang oder sonstwas ist.

      Mir hat's ja am WE hier wieder voll 'gereicht':
      a) weil die Getraenke - egal was - waehrend des ganzen Abends auf Firmenkosten gingen, wurde gesoffen, dass man nach der Begruessung und noch gar nicht zum Essen gelangt, die ersten Besoffenen schon 'auskehren' haette koennen. Verstehe ich das? Ne - in 100 Jahren wohl auch noch nicht! (Anmerkung: ich bin weiiit entfernt von ein Anti-Alkoholiker zu sein, aber ich finde 'Alkohol trinken' auch eine Art Vertrauens-Sache und erfolgt darum - so IRGEND moeglich - NIE ausser Haus!)
      b) Small-talk bei 117 Decibel sind auch leicht kompliziert; also habe ich nach 2 Std. (nach dem Essen) mir erbost das genommen, was ich mir noch nicht einmal nie zur 'Sex-Abwehr' nahm: 'meine Migraene' !
      c) Alte Feststellung: je 'hoeher der Rang' umso weniger ist von sog. 'Phrasen' zu hoeren.
      d) Hier lief heute Morgen zum Fruehstuecks-TV uebrigends u/PM hochgradigst Gefahr sogar durch die TV's hindurch gelyncht zu werden, indem er die Spitzfindigkeit hatte, ein gebrochenes Wahlversprechen als 'kein eigentlich wirklich gegebenes sondern nur die Leute glauben lassen, dass man das machen wuerde' zu bezeichnen. Moensch, hierzu waere sogar ich Ober-Frechdachs gehoerig in Deckung gegangen.
      (Das ueberwiegend doch sehr hohe Niveau 'nationaler Hoeflichkeitsformen' scheint er auch mit Begeisterung zu unterminieren: verweigert eigentlich noetige Entschuldigungen = tztztz; als Neu-Zuwanderer wenn man so was bringen taete …. )


      LG, Gerlinde
      … und mit dem angeheiratetem Oesterreicher - wieder - das uebliche 'Striptease reverse' gehabt ;-)
      = schoen ist die Welt ( ;-) - plus augenrollender 'Gaertner')




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    3. Du Ärmste. Wohl wieder voll ins Hundehäufchen gegriffen... ;-) Nicht daß es besonders lustig wäre. Aber ich muß gerade herzlich lachen. :-)))

      zu Punkt c): das gilt imo leider fast nur für old school raised people. Die in Elternhaus und Schule noch was von Recht und Anstand mitbekommen haben und über ein natürliches Ehrgefühl verfügen. Die neue junge Generation lernt es schon nicht mehr, sie lernt im Gegenteil, daß nur noch der Anschein zählt, und Leistung und Persönlichkeit nebensächliche, sogar lästige Anhängsel seien im ewigen Kampf um Karriere und Geld und noch mehr Geld. Lästiges Zeug, dieses Geld. ;-) Und dafür muß man sich eben wenigstens bedeutend ANHÖREN, wenn man schon nichts bedeutendes zu sagen hat.

      Also, mit Migräne habe ich mich auch schon des öfteren vor unangenehmen Dingen "gerettet". :-)) Es war aber nie vorgespielt. Ich bin ein schlechter Schauspieler, sowohl als auch, und immer authentisch. Wenn ich sage, ich habe Kopfschmerzen, dann ist das so. Leider. ;-) Ich komme gar nicht dazu, sowas mal vorzuschützen, weil die head hedgehog critters immer von allein kommen (Wort hab ich eben erfunden. Paßt es?)

      Und sind es nicht die Australier, die lieber Alkohol trinken, damit der Rest der Welt sauberes Wasser trinken kann? Da war doch was... wenigstens erinnere ich mich an was ähnliches. :-)) Und weil es so ist: Prost! *mit der Luft anstoß*

      *giggle* Lg, Sathiya

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  2. ;-) - giggle und 'gickele' (= streit-gickeln) doch immer mit Dir mit! :-D

    LG, G.

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