Freitag, 24. Januar 2014

Negative Jahrestage

Negative Jahrestage sind unschön.
Erinnerungen an unschöne Zeiten. Bei manchen konzentrieren sie sich seltsamerweise auf die Nachweihnachtszeit, den Januar. Was sagt das über diejenigen aus? Über deren gutgemeinte, ambitionierte und leider schon gebrochene Neujahrsvorsätze? Oder über ihr nachweihnachtliches nicht erwartungsgemäß erfülltes Harmoniebedürnis? ;-) Sind sie am Ende Opfer einer um Monate verschobenen ausgelebten Novemberdepression? Oder einfach dem trüben kalten dumpfen Wetter geschuldet?

Sagt man, die Zeit heilt alle Wunden? Sagt man.
Sagt man, daß man mit der Zeit vergißt? Sagt man.
Ich kann Jahrestage der negativen Sorte nicht leiden.
Von mir aus können sie ausfallen. Aus dem Kalender geschnitten werden. Einfach nicht stattfinden.

Habe ich positive Jahrestage?
Na klar, natürlich. Geburtstage, gute Entscheidungen, Erlebnisse, Begegnungen... Erinnerungen an Augenblicke, Menschen, Ereignisse, Triumphe, Glück. Sie erfüllen meine Seele mit Licht.
Meine negativen Jahrestage sind auch auf den Januar konzentriert. (Ich werde sie nicht weiter beschreiben, da sie mehr oder weniger den normalen Lektionen der University of Life entsprechen.) Sie verdecken das Licht. Und irgendwie werden sie jedes Jahr ein Stückchen negativer. Ich empfinde den salzig-bitteren Geschmack der Niederlagen, Enttäuschungen, Schmerzen, des Kummers jedes Jahr stärker. Ich frage mich jedes Jahr ein wenig eindringlicher, wo und wann und wie ich eine andere, bessere Entscheidung hätte treffen können/sollen/müssen. Ich werde mir selbst gegenüber kritischer und intoleranter. Das Spielchen Was-wäre-wenn droht mich meiner Seelenruhe zu berauben.

Aufarbeitung beim Psychologen? Flucht in Arbeit, Ablenkungen, virtuelle Welten? Habe ich alles schon versucht, und es bringt mich nicht weiter. Deswegen - plädiere ich für die Abschaffung der negativen Jahrestage. ;-)
Alternativ rückhaltlose Akzeptanz. Akzeptanz dessen, was mich unter anderem zu der Perönlichkeit geformt hat, die ich jetzt in diesem Moment bin. Loslassen des Schmerzes, der Verletzungen, der häßlichen Erinnerungen.
Let´s roll!!

"Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." (aus dem Zusammenhang gerissen und frei zitiert nach NT Johannes 8,2–11)

Kommentare:

  1. Hallo Sathiya,
    toller Post ... mich faszinieren in Deinem Text all die ganzen Fragezeichen, die vorkommen. Bis Du zum Schluß Dir selbst die Antwort gibst. Interessante Text-Konstruktion, zumal Du die Negation hinein bringst und dies auch der Titel Deines Textes ist. Du blickst selbst ganz tief in Deine Seele hinein.

    Gruß Dieter

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  2. Hallo Dieter,

    wer wenn nicht man selbst kann so tief wie erforderlich in sich hineinblicken? ;-) und traut sich das auch?
    Die Kunst ist, dann das entsprechende daraus zu machen. Was ich tue. Jahrestage gehören abgeschafft. *lach*
    Danke für das Kompliment zur Textkonstruktion! Gebe ich gern zurück! :-)

    Schönes Wochenende!
    Viele Grüße, Sathiya

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