Dienstag, 4. Februar 2014

Dschändagedöns

Seit einiger Zeit läuft bei Wikipedia eine Abstimmung darüber, ob Beiträge der Online-Enzyklopädie weiterhin in dem geschrieben werden sollen, was von manchen als generisches Maskulinum bezeichnet wird oder ob die entsprechenden Beiträge gendergerecht verfasst werden sollen (mit Doppelnennungen, Binnen-I bzw. Unterstrich), oder ob eine gesunde Mischung aus beidem, dem aktuellen Sprachgebrauch und Sprachwandel folgend, einvernehmlich akzeptiert werden kann.

Es gibt natürlich Pro und Kontra, mit durchaus auch guten Argumenten für jede Seite, und man gibt sich gehörig Kontra in den Begründungen zur Abstimmung und auf den Diskussionsseiten.
:-)  Mir persönlich ist vollkommen egal, wie die Artikelinhalte formuliert sind, Hauptsache, sie sind sachlich richtig, und ich muß sich nicht schämen, darauf zu verweisen. Und für den Notfall gibt es bestimmt sowas wie die Funktion Artikel melden... ;-)

Witzig fand ich folgende Kommentare (aus den Diskussionen): 

"Die Lehrer" ist nicht per se eine maskuline Form. Einmal ist es eine maskuline Form und einmal ist es eine gemeinsame Form. Im Plural ist das Weibliche bevorzugt, weil es spezifizierend ausgewiesen ist ("Lehrerinnen"). Wollte man das auslautende "-er" als spezifisch männlich begreifen, müsste man "Lehrerer" neu einführen (was aber genauso blöd wäre). Dann müsste man aber auch Formen wie "Weib-er" abschaffen. 

wir schreiben in Zukunft Christinnen- und Christenheit statt Christenheit
Dat janze Dschändagedöns jeht mich langsam uff de Kieker.
Am Ende schreiben wir Personinnen und Personen noch Artikelinnen und Artikel.
"Eine Person" ist ja schon femininum. Ich als Mann bestehe darauf, als "ein Personer" bezeichnet zu werden. Alles andere ist tiefste Diskriminierung.
:-)
Wohin wird das noch führen? Welche Sprache werden einmal meine Kinder und Enkel sprechen? Werde ich sie überhaupt noch verstehen? Verstehen, was genau sie meinen?
Die Aussage "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" (Michail Gorbatschow) hört sich gegendert übrigens nicht mal halb so gut an: Eine Person, die zu spät kommt, wird vom Leben bestraft. *g*

Dazu noch mal eine klitzekleine Verständnisfrage: wie genau spricht man eigentlich eine Kunstform wie Leser_innen aus?!
Ich wünsche mir eine vernünftige Sprache wie das Englische. KEIN Gender weit und breit... am besten, wir erklären englisch zur neuen Amtssprache. Ende der Diskussion.
Im Übrigen  - dat janze Dschändagedöns jeht mir langsam uffn Kieker. (frei zitiert)   CU, Sathiya

Kommentare:

  1. Duuuhuu - kopfkratz: Sprache ist etwas DERart staendiges 'in Bewegung', dass nunmehr 17 Jahre nach meinem Weggang aus Deutschland und trotz etlicher Heimat-Urlaube; 'relativ' vieler Chancen hier die deutsche Sprache zu 'ueben'/aufrecht zu erhalten (seit bloggen auch damit! Verschaemte Anmerkung hierzu: wenn 'sie' gerade nicht zu viiiiel 'beissen' ;-) !), bekomme ich von meiner jungen Verwandtschaft (Nichten/Neffen) schon mitunter zu hoeren "Kreizdeife, Tantchen, host DU oba a oidmodische Sproch" = Uebersetzung:Kreuz-Teufel (= 'liebevoller regionaler Kraftsausdruck'), Tantchen, hast DU aber eine altmodische Sprachversion.

    ABER: an Nachfolgern fuer die naechste Papst-Wahl kann's aus deutscher Region (oder gar Gesamt-EU? ^^ ) bei Gott nicht fehlen; da ist man ja wirklich bald 'paepstlicher als der Papst'
    … und flitz weg hier!

    LG, Gerlinde

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  2. PS:
    Ist eigentlich das alte Poesie-Album-System ausgestorben, weil man nicht mehr weiss:

    "…. ein jeder 'Schtand' hat seine Freuden - ein jeder 'Schtand' hat seine Last …"

    Da sollte es doch 'wurscht' sein, WIE politisch korrekt/'fein-balanziert' die Benennung hierzu ist, oder?

    LG, Gerlinde

    Btw., meine zwangsweise noetige Abwandlung eines alten Poesie-Album-Spruches wurde zu:
    "Vergesse niiie die Heimat wo Deine Wiege stand
    auch wenn in der Fern' Du findest ein neues Heimatland"
    (Original: Du findest in der Ferne kein zweites Heimatland)



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    1. :-)
      Es gibt im Buchhandel sogar Wörterbücher Jugendsprache-Deutsch, damit man als Ewachsener nicht ganz so hilflos vor dem jungen Gemüse steht. Ich habe darin gelesen, und von mir aus hätte das auch auf türkisch sein können (nun ja, manches hört sich auch ganz danach an!). Nix hab ich verstanden. Meine Große übrigens auch nicht - ist wohl auch schon zu erwachsen/alt dafür. :-)

      Ich wundere mich schon die ganze Zeit über eine Merkwürdigkeit: wieso wird eigentlich prinzipiell die feminine Form VOR der maskulinen Form genannt? Wie in Lehrerinnen und Lehrer. Wieso nicht andersrum? Dschända sollte das doch ebenfalls unterbinden... also ich als Mann hätte erst recht was dagegen. Habe ich ja schon als Frau massiv was dagegen.
      Apropos Papst:Demnächst dürfen wir uns auch nicht mehr nur auf eine Papstwahl freuen sondern ganz politisch korrekt über eine Päpstinnen- und Papstwahl. Habemas mamam/papam! *LOL* *ROFL*

      Ich finde es schade, daß es so gut wie keine Poesiealben mehr gibt. Stattdessen gibt es vorgedruckte Freundebücher, fix und fertig, müssen nur noch ausgefüllt werden, Raum für persönliches oder kreatives ist so gut wie nicht vorgesehen. So wird schon das kindliche Gemüt zum Buchhalter, der akribisch seine Freunde verwaltet... für Poesiebuchweisheiten bleibt da kein Platz und kein Nerv. Schade. Sehr schade.
      Ich erinnere mich an einen Spruch aus meinem Poesie: Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur. Mein zweiter Name ist Sonne, angenehm. :-)

      Schöne Zeit Dir, ein Ende allen Mißbehagens, viele Kuscheleinheiten, cheer ups und hugs, Lg, Sathiya

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  3. Ich vermeide inzwischen bewusst das aktive Gedschändere. Zumindest wo es geht, es gibt ja auch Situationen, in denen frau sich weder umständlich erklären noch anecken will. Mit einer Ausnahme: "frau" verwende ich, wenn ich von mir in der verallgemeinerten dritten Person spreche. Finde ich einfach präziser.

    Es stimmt übrigens nicht, dass das Englische nicht gendert. Erstaunlich, aber wahr: inzwischen liest man häufig ein höfliches "she", und zwar dort, wo traditionell das generische Maskulinum "he" benutzt worden wäre. Für mich eine absolut sinnlose Verschiebung. Aber ich bin ja auch keine Feministin, allenfalls frauenbewegt gemäß der ganz alten Schule ...

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. :-)
      Ja, mit der "frau" halte ich es gelegentlich auch so - vor allem dann, wenn ich explizit von mir spreche, aber kein "ich" verwenden will. Oder wenn ich mit in dieserr Hinsicht empfindlichen Personen zu tun habe. Aber ein normaler Mensch denkt ja, fast schon zu Recht, man hätte einen an der Waffel, wenn man in Dschända-Deutsch redet. Sogar schon beim Wörtchen frau statt man. (meine Eltern zum Beispiel. Sie verstehen nicht, was es an der Sprache der Dichter und Denker zu verbessern gäbe und finden das politische Aktionieren, die ständige Erwähnung beider Geschlechter und die damit einhergehende unsäglich penetrante Sexualisierung des täglichen Lebens als extrem beschwerlich und unverständlich)

      Nein, nicht doch! Das Englische gendert auch schon?! Nein, bitte nicht...!! :-)
      Sprechen wir eben INUIT. Oder gendern die auch? Wie wäre es mit Cherokee? Lakota? Suaheli? Klingonisch? *LOL*

      Viele Grüße, Sathiya

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  4. oooch, die englische Sprache hat verflixt viel 'geschaendere' in sich; ist nur leicht versteckter.

    Das 'Ladie's first' in der Reihenfolge resultiert sicher auch aus einer alten Benimm-Floskel, mit welcher einst die (wilden ;-) ) Maenner etwas gezaehmt wurden.
    Ausserdem findet man bei der aelteren Herren-Riege seeehr haeufig noch die nicht unangenehme (nur mitunter verwirrende - wenn tuuuunlichst und tapferst immmmer danach gestrebt wird, weil einfach manchmal sehr schwer zu verwirklichen) Benimm-Formel von: auf der Strasse AUSSEN gehen, damit die Frau geschuetzt wird (in 'Cowboy- und Western-Zeiten' naemlich auch in erster Linie gegen den Dreck der ungeteerten Strassen).
    Bei Treppen-'Besteigungen' (aller Art): die Herren immmmer so 'plazieren', dass Frau notfalls bei einem Sturz weich landet. Auch sonst waeren die Benimmregeln eher 'muslimisch' da zum Schutze der als schwaecher geltenden Frau ausgelegt = kuerzliche 'Wildschwein-Borsten-Stolperer' in einem bekannten Blog hatten einfach Glueck mit 'moderner Ehefrau' ;-) :-D - wenn auch nur EINmal !

    Ich persoenlich bin ehrlich gesagt sogar der Meinung, dass wir Frauen uns selbst um sehr schoene Sachen selbst berauben, wenn 'Genderismus' gleich mit Feminismus/Aufhebung von schoenen 'Hoeflichkeits- und Schutz-Vorrichtungen' zusammengeschmissen wird. Selbiges passiert aber wohl zwangslaeufig, denn WO aufhoeren - angefangen haben wir nun mal schon mit dem Krempel = kopfkratz.
    Kurzformel: mir geht diese ganze '110 %igkeit' arg auf die Nerven PLUS noch weitere 110 % oben drauf in der
    Strafverfolgung/-Durchsetzung/Kontrolle des ganzen Zinnobers, weil 'umara/ca. richtig(er)/besser/anders NICHT ausreicht ! Hier heisst da ein boeser Satz immer "haben die nix anderes zu tun"?!

    Uebrigen(d)s haben 'Die Schwarzen' jetzt angeblich (auch) ein Problem, wie sie 'uns Weissen' benennen sollten = Shit politische Korrektheit (s.o. '110 %igkeit' bezueglich 'Rassismus, Genderismus und sonst. Glatt-/Gleichbuegeleien'.
    Ausserdem empfehle ich demnaechst nach der Geburt sofortige Operationen zur sex. Gleichschaltung (= weiss nur noch nicht WO die stattzufinden haben: im Gehirn oder 'ein paar Etagen tiefer' bei den sichtbareren Merkmalen - grmpf mit :-D

    LG, Gerlinde




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