Mittwoch, 30. Oktober 2013

Privat betriebene Gefängnisse

http://wahrheitskrieg.blogspot.de/2010/07/erstes-privatgefangnis-in-deutschland.html
http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article368533/Das-erste-deutsche-Privat-Gefaengnis-CDU-Fraktionschef-schlaeft-eine-Nacht-in-der-Zelle.html

Gibt es auch in Deutschland, wie in den USA, Gefängnisse, die von privaten Unternehmen betrieben werden? Und zwar nicht nur für Reinigungs-, Housekeeping-, Freizeit- und Seelsorgerangebote, sondern auch um die hoheitlichen Aufgaben, den Freiheitsentzug, das Gewaltmonopol des Staates, durchzusetzen?

Was haben private Investoren eigentlich genau davon, sich als Gefängnisbauer und Strafanstaltbetreiber zu engagieren?

Nach altem europäischem Vorbild fallen mir dazu die berüchtigten Arbeits- bzw. Konzentrationslager ein, in denen bis zum umfallen gearbeitet wurde, weil "Arbeit frei mache".
Die Häftlinge in Hünfeld beispielsweise werden in zwei Schichten zur Arbeit geführt - aha. Arbeit macht also wirklich frei - irgendwann jedenfalls. Ist ja klasse. Und der Staat spart dabei nebenbei noch was - umso besser! Über die Arbeitsentgelte der Häftlinge wird kein Wort verloren, und es fragt auch nie jemand, was und wieviel genau der private Investor daran verdient. Ist wohl geheim. Würde nur die gute Stimmung zerstören, wo man doch grad soo viel an Bau- und Betriebskosten gespart hat. Man könnte ja sonst auf den Gedanken an staatlich geförderte Nähe zur Sklaverei kommen, noch mehr als sonst auch schon.

Was genau in den Gefängniswerkstätten gewerkelt wird, ist wohl auch geheim. Als ich ein Kind war, wurde vermutet, daß die Papiertüten, in welche man Obst und Gemüse gepackt bekam, in solchen Werkstätten zusammengeklebt wurden. So eine stumpfsinnige Arbeit könne man ja nur Häftlingen zumuten. Heutzutage gibts Tütenklebemaschinen - was also genau machen die Leute denn dort? Leisten für IKEA sägen? Knopflöcher für H&M nähen? Plastikaugen an Plastiktiere kleben? Oder gar anspruchsvolleres, wie als Zulieferer für die Autoindustrie arbeiten? Oder für Möbeldiscounter?

Kennt jemand den Film mit Jasmin Tabatabay: "Bandits", wo es um Frauen geht, die aus einem Frauengefängnis ausbrechen? In diesem Gefängnis werden sie unter anderem zur Arbeit gezwungen, teils mit Gewalt. Von Menschenwürde und Selbstbestimmung keine Spur - Hauptsache, die Gefängnisbilanz stimmt. So oder so. Schöne neue Welt - reloaded.

Bitte lieber Gott oder höheres Wesen, bitte mach, daß ich nie ein Gefängnis unfreiwillig von innen besichtigen muß. Noch nicht einmal für nur ganz kurze Zeit. Bitte! Danke.

Sathiya

Kommentare:

  1. Tipp: kanada hat ein gaaanz tolles.
    Ausserdem kommt die berufsbezeichnung 'tuetenkleber/
    Sacklbicker' wohl aufgrund von...
    Duuhu - off topics:
    Sit. hat sich verschlechtert; schreiben ist muehseelig; bleibt zwangsweise darum kurz (1x vertragsarbeit morgen nur);koennte 'boese welt hug' (umarmung von rueckwaerts = 4 arme zum kaempfen brauchen - seufz)
    Lg (auch an alle anderen + ' specials for special' ;-) :-D )
    G

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    1. :-)
      Nicht vergessen: alles wird gut, so oder so.
      Iß mal etwas Schokolade, das entspannt... ;-) wenigstens sieht das Problem dann etwas weniger schrecklich aus.
      Lg, Sathiya

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  2. Das Zuchthaus mit Zwang zu schwerer körperlicher Arbeit ist aber schon lange Geschichte - der Vergleich hinkt auf beiden Beinen. Einen Zwang zur Arbeit gibt es allerdings schon ... und ich finde das auch nicht so falsch. Irgendwann kommen sie ja wieder raus und sollen wenn es irgendwie geht draussen bleiben und dort überleben können. Wenigstens ein paar davon.

    Nur was kann man einen Trupp von Verknackten arbeiten lassen ? Geheim ist das keineswegs - gibt es gefühlt Dutzende Reportagen drüber. Und was soll man ihnen dafür bezahlen ohne ganz schnell an den H4-Satz zu kommen ? Aus der Richtung könnte man es evtl. auch betrachten. Denn in erster Linie ist es eine Strafanstalt.

    Und nachdem ich der Überzeugung bin dass die Mehrheit drin sitzt weil sie es sich redlich verdient hat - nicht weil sie da irgendwie versehentlich reingerutscht ist - habe ich kein echtes Problem damit wenn sie arbeiten müssen, und fast nix dafür bekommen.

    Wer der Betreiber ist, wäre mir hingegen nun wieder völlig wurscht. Privat betriebene Gefängnisse wären hierzulande garantiert die bestregulierten auf der ganzen weiten Welt. Aber da sind unsere Gesetze davor und vielleicht ist das ja gut so.

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    1. Zuchthaus, Arbeitlager, Frondienst, wie immer man es nannte und nennt, gab es wohl schon immer.
      Was mich hieran so aufregt: Arbeit als Strafe zu installieren. Kein Wunder, wenn es der Traum vieler ist, nie mehr arbeiten zu müssen, und ein Alptraum, bis ans Ende seiner Tage arbeiten zu müssen. Na egal, das ist aber ein anderes Thema (das auch schon im Landeanflug ist).

      Arbeit als Strafe: ein Arbeitsloser wird zum Dieb, weil er mithilfe seiner Hände Arbeit seinen Lebensunterhalt nicht verdienen kann. Er kommt in den Strafvollzug, weil er gestohlen hat. Dort muß er Arbeit leisten, die ihm so gut wie nicht bezahlt wird. Nach Ablauf der Strafe wird er entlassen, ist immer noch arbeitslos, will arbeiten, kann aber nicht, stiehlt, wird erneut eingebuchtet... usw. scheinbar einTeufelskreis. Da läuft doch was schief, oder? :-)

      Was mich daran wieder mal gestört hat: der Staat hat doch das Gewaltmonopol, oder nicht? Kann/darf er es eigentlich abgeben/abtreten/von anderen ausüben lassen? Und zweite Frage: die berühmte Wirtschaftlichkeit. In den USA ist es wohl so (habe ich in einer Dokumentation über amerikanische Knäste gesehen), daß die privaten JVA für jeden Häftling einen Zuschuß/Bonus/whatever erhalten, sodaß es im wirtschaftlichen Interesse der Anstalten liegt, möglichst viele Insassen zu haben, und auch einen steten Nachschub an Kriminellen, aufdaß der Geldstrom nicht versiege. Da sich das Geschäftsmodell so gut angelassen hat, haben im Laufe der Jahre immer mehr private correction jails aufgemacht, die sich gegenseitig zwar noch keine Konkurrenz machen, deren Druck aber dafür zu einer (für mich) merkwürdigen Strafverhängungspraxis geführt hat: dreimal auf-/straffällig geworden - und man sitzt für 15 Jahre hinter Gittern. Also, nicht bezahlte Strafzettel wegen Falschparkens reichten wohl schon. *ächz*

      (ich gehe jetzt schnell alle meine Knöllchen überprüfen, man weiß ja nie!!!)
      Sathiya

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    2. Das wenige was ich weiß, läuft eher nicht auf "Arbeit als Strafe" hinaus. Ich mag da einem Irrtum aufsitzen aber mein Eindruck ist nach wie vor, dass die Insassen vglw. lieber irgendwas tun, anstatt nur rumzusitzen und die Wand anzuschauen. Das wirkt auf mich auch nachvollziehbar. Dass es keine anspruchsvollen Sachen sind ist möglicherweise schade.

      Zum Gewaltmonopol: Wo es Sinn macht und wenig riskant ist es abzutreten finde ich das in Ordnung. Es ist ja nicht so dass ein privater Knast sich seine Knackis selber suchen würde ... die werden nach wie vor von der Staatsgewalt verknackt ... also einem Richter der sie einfahren läßt, nachdem ein Staatsanwalt sie angeklagt hat, nachdem die cops ihn eingesackt haben.

      Das ist für mich an und für sich genug Gewaltmonopol. Dann drauf aufzupassen dass sie drin bleiben sehe ich nicht zwingend als staatliche Aufgabe an. Freilich muss man da aufpassen keine Fehler zu machen, aber aus dem Stand wirkt das für mich gerade hierzulande vollkommen unkritisch. In anderen Ländern würde ich das u.U. nicht genau so sehen.

      Zu den three strikes: Hierzulande musst Du schon richtig was geleistet haben um überhaupt einzufahren, ein paar unbezahlte Knöllchen reichen da nicht und das ist gut so. Das grundlegende Prinzip finde ich als Ansage aber gar nicht so vollkommen verkehrt - so kann sich jeder im Vorfeld drauf einstellen was Phase sein wird.

      Wobei gleiche Strafen für gleiche Taten auch schon helfen würden. Das könnte einem Teil der Unzufriedenheit mit unserer Justiz entgegen wirken, die man von außen oft als noch willkürlicher im Strafmass wahrnimmt - der eine fährt für 6 Jahre ein, der andere für 3, der dritte bekommt Bewährung - und alle haben das gleiche angestellt. Etwas weniger "man muss den Einzelfall sehen" und etwas mehr "Totschlag ? 6-8 Jahre, egal wie schwer die Kindheit war" fände ich persönlich nicht verwerflich.

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