Samstag, 22. Februar 2014

Fat Ca(t)

Ich bin auf etwas aufmerksam gemacht worden, daß mich in höchste Besorgnis versetzt. Ich nenne es fat cat - nach all den Mäusen, die auf diese Weise geschluckt werden. ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/FATCA  (kein Hyperlink, kursiver Text von da)

FATCA steht für „Foreign Account Tax Compliance Act“ und ist die Kurzbezeichnung für einen Teil eines im Jahr 2010 in Kraft getretenen US-Gesetzes, mit dem das US-Steuer-Reporting von ausländischen Finanzinstitutionen deutlich verschärft wurde.
Ziel des FATCA ist es zu verhindern, dass in den USA Steuerpflichtige Geld in ausländische Steueroasen schaffen. Nach Einführung des FATCA schlossen einige große europäische Banken wie UBS, ING oder die Deutsche Bank ausgewählte Handelsabteilungen in den USA, die bis dahin als eine Art Brücke dienten, um Geld nach Europa zu schaffen.
FATCA wurde am 18. März 2010 in den USA im Rahmen des „Hiring Incentives to Restore Employment Act“ (HIRE Act) in Kraft gesetzt.
Im Juli 2012 kündigten die USA zusammen mit den Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien an, FATCA in diesen sogenannten „FATCA-Partnerländern“ auf Basis bilateraler Vereinbarungen umzusetzen. Dabei stellten die Staaten ein Musterabkommen vor. Großbritannien unterschrieb es als erstes Land im September 2012.
Die IRS veröffentlichte im Januar 2013 die „Final Regulations“ für Nicht-FATCA-Partnerländer.

Mit FATCA soll verhindert werden, dass US-steuerpflichtige Personen insbesondere mittels im Ausland befindlicher Finanzinstitutionen bzw. anderer Nicht-US Rechtsgebilde ihre Steuern verkürzen. Dies soll vor allem durch eine Ausweitung der Berichtsverpflichtungen (Reporting) erreicht werden:
  • Finanzinstitutionen müssen einen zusätzlichen Vertrag mit dem IRS abschließen.
  • Alle, auch Nicht-US-Kunden außerhalb der USA müssen hinsichtlich ihrer US-Steuerpflicht eindeutig identifiziert werden. Insbesondere sind solche US-Personen zu erkennen, die Anteilsinhaber von Unternehmen und Personengesellschaften sind (wenn diese vorrangig investierend tätig sind, also passive Unternehmen, nach FATCA: passive NFFE = Non financial foreign entity).
  • Bereits der Verdacht, dass ein Deutscher eine "US-Person" sein könnte, soll Finanzinstitutionen dazu verpflichten, den Indizien für eine US-Steuerpflicht nachzugehen und diese zu klären.
  • Es müssen nun auch Einlagenkonten und nicht an der Börse gehandelte Beteiligungen am Kapital bzw. Verbindlichkeiten jährlich an den IRS gemeldet werden.
  • Der Begriff der Einnahmen, die zu berichten sind, ist stark erweitert worden.
  • Gutschriften, Belastungen und Höchststände auf den Konten sind zu berichten.
Es wird ein Quellensteuerabzug in Höhe von 30 % auf alle Einnahmen aus US-Quelle („withholdable payments“) für nicht kooperationswillige Kunden und Finanzinstitutionen vorgenommen. Das primäre Ziel ist aber die Identifikation und Meldung der US-Steuerpflichtigen.
Der Steuerabzug hat keinen Abgeltungscharakter und ersetzt nicht die Abgabe der jährlichen FATCA-Meldung.
Derzeit wird bilateral zwischen Deutschland und den USA die Einführung von FATCA diskutiert. Am 8. Februar 2012 haben die USA mit der Bundesrepublik Deutschland und anderen Staaten eine Gemeinsame Erklärung über eine zwischenstaatliche Vorgehensweise zur Verbesserung der Steuerehrlichkeit im grenzüberschreitenden Bereich und zur Umsetzung des Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) herausgegeben: Danach
  • muss nicht jedes Finanzinstitut einen Vertrag mit dem IRS abschließen
  • verzichten die USA ggf. auf die Quellensteuer
  • müssen die relevanten Daten lediglich an deutsche Behörden übermittelt werden, die sie dann weiter an die US-Behörde weiterleitet
  • hat Deutschland Ausführungsbestimmungen in Bezug auf FATCA zu erlassen.
  • Die USA verpflichten sich, dem jeweiligen Vertragspartner Informationen über Zins- und Dividendeneinkünfte zur Verfügung zu stellen, die die US-Steuerbehörde von US Finanzinstituten erhebt.
Auf Ebene der EU-Kommission wird (Stand Februar 2012) ebenfalls eine europäische Lösung gesucht. Am 21. Februar 2013 haben die USA und die Bundesrepublik Deutschland ein Abkommen zur Förderung der Steuerehrlichkeit bei grenzüberschreitenden Sachverhalten paraphiert.

Soweit die Informationen der Wikipedia.
Das ist doch die Höhe. Wo bleibt das Bankgeheimnis? Wie sich das verstehe, wird dieses nicht nur vollkommen ausgehebelt, sondern das Gesetz zielt auch auf maximale Transparenz des einzelnen Menschen.
Und wie kommt eigentlich ein Nicht-US-Bürger dazu, in den USA Steuern zu zahlen, nein zahlen zu müssen, wenn er auch nur eine Aktie eines US-Unternehmens besitzt? Wie wird es wohl den vielen Bankkunden ergehen, die von ihrer Bank Fondsanteile kaufen, die ihrerseits unter anderem aus Aktien von US-Unternehmen bestehen? Wären sie ab sofort und rückwirkend steuerpflichtig in den USA?
Und ganz normale kleine deutsche Angestellte von US-Unternehmen werden somit automatisch zu US-Kunden, transparent bis in die atomare Ebene, sofern sie zustimmen, einen Teil ihrer Bezahlung in Aktien zu erhalten?
Leute, das kann doch wohl nicht wahr sein...!!!

Der Daten-Skandal ist dagegen ein Witz - und die Öffentlichkeit meines Erachtens nicht ausreichend informiert. Vor allem, da es wieder einmal nicht einen selbst "nur die anderen betrifft" bzw. zu betreffen scheint. Ein mageres Informationshäppchen verteilte das Bundesfinanzministerium hier:
http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2013/02/2013-02-22-PM16.html  (kein Hyperlink, kursiver Text von da)
... Es steht im Zusammenhang mit dem als FATCA bekannten Gesetz der Vereinigten Staaten und hat den folgenden Inhalt:
  • Deutschland verpflichtet sich, von den in Deutschland ansässigen Finanzinstituten die Informationen über für US Kunden geführte Konten zu erheben und der US-Behörde zur Verfügung zu stellen.
  • Die USA verpflichten sich im Gegenzug, den deutschen Steuerbehörden Informationen über Zins- und Dividendeneinkünfte zur Verfügung zu stellen, die die US-Steuerbehörde von US Finanzinstituten erhebt.
  • Die USA verpflichten sich, alle in Deutschland ansässigen Finanzinstitute von der Pflicht auszunehmen, mit der US-Steuerbehörde Vereinbarungen abschließen zu müssen, um in den USA Quellensteuereinbehalte unter FATCA zu vermeiden.
Ich finde das empörend und verstehe das so: Bankgeheinmis, Steuergeheimnis wird hiermit abgeschafft. Wer braucht das schon...??? Immerhin scheint es zunächst nur die sogenannten großen Fische zu treffen. Ein schaler Trost. Wie lange wird es wohl dauern, bis wir Ottonen Normalbürger/innen das am eigenen Leibe erleben werden?

Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
In diesem Sinne - allseits ein schönes Wochenende! Sathiya

Freitag, 21. Februar 2014

Von den Kindern

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931


Danke für den Denkanstoß, Gerlinde. ;-)
Wenn erwachsene Kinder von zuhause ausziehen, bedeutet dies für die zurückbleibenden Eltern einen deutlichen Einschnitt in ihrem Leben, mal einen größeren mal einen kleineren, je nach Temperament. Ich bin immer eher ein Nestflüchter gewesen, und konnte es kaum erwarten auszuziehen; und ich zog ziemlich zeitig aus und auch ziemlich weit weg. Meine Mutter nahm es nach außen hin leicht, ermunterte mich sogar dazu, aber tief in ihrer Seele hat sie geweint. Sie erzählte mir dann irgendwann die Geschichte vom Bogen und den Pfeilen: wie der Bogen zurückbleibt, und den davonschießenden Pfeilen nur hinterherträumen kann.
Ich weiß nun, wie sie sich damals gefühlt hat, denn ich fühle das gleiche.
Einer meiner Pfeile ist auf dem Sprung, das Nest zu verlassen und sich ein eigenes Leben aufzubauen.
Ich hoffe, daß ich einmal nach außen dieselbe Würde und Gelassenheit präsentieren kann. Auch wenn meine Seele schmerzt.

Beste Grüße, Sathiya

Sonntag, 9. Februar 2014

Ohne Worte

http://www.flickr.com/photos/ndybisz/11370804203/

Bild und Text.
Ich finde keine Worte...

Donnerstag, 6. Februar 2014

My evening is your morning 2

Noch mehr Gespräche quer durch den Erdball. ;-)
Für alles, was einem auf der Seele liegt und was sonst zu keinem Thema so richtig passen mag - hier ist der richtige Platz dafür.
Herzliche Grüße, Sathiya


PS 11.3.
Einbrechermäusebild, Entwurf 1 

 

Dienstag, 4. Februar 2014

Dschändagedöns

Seit einiger Zeit läuft bei Wikipedia eine Abstimmung darüber, ob Beiträge der Online-Enzyklopädie weiterhin in dem geschrieben werden sollen, was von manchen als generisches Maskulinum bezeichnet wird oder ob die entsprechenden Beiträge gendergerecht verfasst werden sollen (mit Doppelnennungen, Binnen-I bzw. Unterstrich), oder ob eine gesunde Mischung aus beidem, dem aktuellen Sprachgebrauch und Sprachwandel folgend, einvernehmlich akzeptiert werden kann.

Es gibt natürlich Pro und Kontra, mit durchaus auch guten Argumenten für jede Seite, und man gibt sich gehörig Kontra in den Begründungen zur Abstimmung und auf den Diskussionsseiten.
:-)  Mir persönlich ist vollkommen egal, wie die Artikelinhalte formuliert sind, Hauptsache, sie sind sachlich richtig, und ich muß sich nicht schämen, darauf zu verweisen. Und für den Notfall gibt es bestimmt sowas wie die Funktion Artikel melden... ;-)

Witzig fand ich folgende Kommentare (aus den Diskussionen): 

"Die Lehrer" ist nicht per se eine maskuline Form. Einmal ist es eine maskuline Form und einmal ist es eine gemeinsame Form. Im Plural ist das Weibliche bevorzugt, weil es spezifizierend ausgewiesen ist ("Lehrerinnen"). Wollte man das auslautende "-er" als spezifisch männlich begreifen, müsste man "Lehrerer" neu einführen (was aber genauso blöd wäre). Dann müsste man aber auch Formen wie "Weib-er" abschaffen. 

wir schreiben in Zukunft Christinnen- und Christenheit statt Christenheit
Dat janze Dschändagedöns jeht mich langsam uff de Kieker.
Am Ende schreiben wir Personinnen und Personen noch Artikelinnen und Artikel.
"Eine Person" ist ja schon femininum. Ich als Mann bestehe darauf, als "ein Personer" bezeichnet zu werden. Alles andere ist tiefste Diskriminierung.
:-)
Wohin wird das noch führen? Welche Sprache werden einmal meine Kinder und Enkel sprechen? Werde ich sie überhaupt noch verstehen? Verstehen, was genau sie meinen?
Die Aussage "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" (Michail Gorbatschow) hört sich gegendert übrigens nicht mal halb so gut an: Eine Person, die zu spät kommt, wird vom Leben bestraft. *g*

Dazu noch mal eine klitzekleine Verständnisfrage: wie genau spricht man eigentlich eine Kunstform wie Leser_innen aus?!
Ich wünsche mir eine vernünftige Sprache wie das Englische. KEIN Gender weit und breit... am besten, wir erklären englisch zur neuen Amtssprache. Ende der Diskussion.
Im Übrigen  - dat janze Dschändagedöns jeht mir langsam uffn Kieker. (frei zitiert)   CU, Sathiya

Montag, 3. Februar 2014

Zen online

Zen ist eine Betrachtungsweise der Welt, bei der der Betrachter heiter in sich ruht, im Hier und Jetzt lebt.
Zenmeditation bedeutet die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen, das Erleben von Stille und Leere.
Es bedeutet, das Leben zu leben – in seiner ganzen Fülle. Der unmittelbare Zugang zu diesem Einfachsten von allem ist dem Verstandeswesen Mensch jedoch versperrt – es scheint so, als ob die niemals schweigende Stimme der Gedanken ihn durch hartnäckige Ideen und urteilende Vorstellungen blockiere. Die Anhaftung an die Illusion eines Ich jedes Einzelnen verursacht immer wieder nur neues Leiden (Dukkha). Zen kann diese Verwirrung lösen – zuletzt vermag man sogar zu essen, wenn man hungrig ist, zu schlafen, wenn man müde ist. Zen ist nichts Besonderes. Es hat kein Ziel.  (wikipedia)
Primäre Aufgabe des Zen-Schülers ist die fortgesetzte, vollständige und bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments, eine vollständige Achtsamkeit ohne eigene urteilende Beteiligung (Samadhi). Diesen Zustand soll der Zen-Schüler nicht nur während des Zazen, sondern möglichst in jedem Augenblick seines Lebens beibehalten.
Auf diese Weise kann sich die Erkenntnis der absoluten Realität einstellen (Satori). Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird aufgehoben; die Kontingenz der eigenen Existenz, das In-die-Welt-geworfen-Sein kann angenommen werden. Vollkommene innere Befreiung ist die Folge: Es gibt nichts zu erreichen, nichts zu tun und nichts zu besitzen.   (wikipedia)

Heute habe ich eine website entdeckt, die einem Zen-Sprüche, sogenannte Koans, liefert, über deren Bedeutung man meditieren kann, wenn man möchte. Man gibt einen Begriff ein, und die site wirft einen passenden Spruch aus. Funktioniert auch, wenn man das Feld leer läßt (die passende Antwort käme dann über das sogenannte "morphische Feld").
http://www.zen-koan.de  (kein Hyperlink, kursive Texte von da)

Beispiele:
Leben
Aus Leiden kann man Heilmittel machen
tiefergehende Erläuterung: Leid heilt die Trennungs-Krankheit
Versuchen Sie, Leiden von sich fern zu halten? Betrachten Sie Leiden nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung. Was lernen Sie ais ihnen? Wie heilen Leiden Sie von der Krankheit der Identifikation mit Ihrem Ego-Ich?
Sind Sie entsetzt über die Unwissenheit und Grausamkeit in der Welt? Stellen Sie sich vor, wir befänden uns alle in einem Krankenhaus und versuchten die Krankheit des Getrenntseins zu überwinden. Überrascht es Sie da noch, dass Sie von lauter Kranken umgeben sind? Legen Sie Ihre Urteile beiseite und konzentrieren Sie sich ganz darauf, sich selbst zu heilen - damit Sie dann irgendwann nicht mehr Patient sondern Arzt sind.

- leer -
Ein Lächeln, und die Welt ist verändert
tiefergehende Erläuterung: Gib dein Glück weiter
Könnte ein schlichtes freundliches Lächeln Ihre Lage grundlegend ändern? Das eigene Glück finden und es dann mit anderen teilen - ein besseres Geschenk können Sie nicht machen.
Empfinden Sie die schlichte Freude des Lebendigseins und teilen Sie diese Freude heute mit allen, die Ihnen begegnen. Machen Sie sich unser gemeinsames Menschsein bewusst und schenken Sie jedem ein wortloses Lächeln des Erkennens, mit dem Sie sagen: "Ich kenne dich nicht einmal, aber ich spüre die Liebe, in der wir alle vereint sind."

Hokuspokus, sinnlose Quacksalberei, fauler Zauber? Wer glaubt denn an sowas?
Sei´s drum - aber es zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen - und ergibt mehr Sinn als jedes Horoskop oder jede Mindstyle-Frauenzeitschrift.
Vor allem - öffnet es den Geist und befreit von quälenden Was-wäre-wenn-Gedanken, ermutigt, stärkt und beruhigt.
Der Weg ist das Ziel. ;-)  

In diesem Sinne ein Koan - Hinschauen und mit eigenen Augen sehen - jetztSathiya

Donnerstag, 30. Januar 2014

Orthorexia nervosa

gefunden hier: http://sciencefiles.org/2014/01/30/nutznieser-perpetuum-mobile-neue-form-gestorter-esser-entdeckt/   (kein Hyperlink, Bild und kursiver Text von da)

Ein halb satirisch, halb ernst gemeinter Artikel über Krankheiten, die eigens erfunden werden, um (z.B. mithilfe von Fördergeldern) therapiert zu werden. Heute im Fokus: Orthorexia nervosa - oder der Zwang, gesunde Nahrung im Übermaß zu konsumieren.

http://sciencefiles.files.wordpress.com/2014/01/orthorexia21.jpg
Orthorexia Nervosa, so schreibt der Erfinder des Begriffs, Steven Bradman, MD, “indicates an unhealthy obsession with eating healthy food”. Man kann also nicht nur zu viel ungesundes Essen essen, sondern auch zuviel gesunde Nahrungsmittel. An anderer Stelle wird Orthorexia Nervosa definiert als: “Basically, orthorexia is a fixation on eating only healthy or pure foods, or what an individual perceives as healthy or pure.”
Und es wird noch besser, wenn man die Beschreibung dieser “Obsession” oder Besessenheit genauer liest. Es beginnt damit, dass Menschen, die sich gesund ernähren wollen, z.B. in der Weise, wie die EU-Kommission das empfiehlt und wie es Politiker auf ihrem Kreuzzug gegen das Übergewicht und deren Hauptverursacher nahe legen, Fett und Zucker aus ihrer Diät streichen. Sie verzichten also auf Schokoriegel, Zucker und Fett  in allen Formen und erreichen damit, dass die Nährstoffe, die in “gesunden Nahrungsmitteln” enthalten sind, nicht mehr aus denselben und aufgrund des Fehlens von z.B. Fett herausgelöst werden können. (Fett ist z.B. notwendig, um fettlösliche Nährstoffe aufnehmen zu können).
Wenn sich dann die ersten Anzeichen einer Mangelernährung einstellen, dann würde man normalerweise erwarten, dass die davon Betroffenen ihre “Obsession” mit gesunder oder “reiner” Nahrung aufgeben und sich wieder einer gesunden, weil abwechslungsreichen Ernährung zuwenden. Nicht so bei Orthorexia Nervosa.  
...
Kann das eine ernstzunehmende Erkrankung sein? Die einer von der Solidargemeinschaft und den Krankenkassen geförderten und bezahlten Diagnostik, Therapie und Prävention bedarf? 

Halb lachend, halb weinend wünschend: bleibt gesund, aber übertreibt es nicht! Sathiya

Samstag, 25. Januar 2014

100 Jahre 1. Weltkrieg

Im Sommer ist es soweit: es jährt sich zum 100. Mal der Beginn des 1. Weltkrieges.

Ein großes Thema in Politik und Medien wird das diesjährige "Jubiläum" wohl werden (naja, das Wort paßt so überhaupt nicht, hat jemand ein besseres?): 100 Jahre 1. Weltkrieg.
Ich bin gereizt und genervt. Ich hätte sowas gern ein für allemal aufgearbeitet. Stattdessen wird in Deutschland vermutlich wieder die unangefochtene und alleinige SCHULD der Deutschen festgestellt, und unseren Kindern in den Schulen für die nächsten Jahrzehnte die ewige politische Minderwertigkeit aufgrund ihrer Nationalität eingeredet. Und die unausweichliche Folge des 1. sei ja der 2. Weltkrieg, in welchem die Deutschen ihre Schuld einfürallemal manifestiert hätten. Andere Länder, vor allem die damaligen Kriegsgegner, werden vermutlich auch wieder einmal feststellen, daß die Deutschen verdientermaßen was auf die Zwölf bekommen haben, daß ihre Niederlage verdient war und der eigen Sieg erst recht, und daß man es schon immer gewußt habe, daß die Deutschen die Bösen schlechthin seien (die es mit dem 2. Weltkrieg wieder einmal bewiesen haben), und daß man eben aus diesem Grund das Recht auf immerwährende Unterwerfung und gehorsame Schuldanerkenntnis habe.

Ich bin nicht die Deutschen. Ich bin weit, weit nach dem Ende des 2. Weltkrieges geboren. Ich schulde der Welt nichts. Schon gar nicht, mir weitere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte Asche aufs Haupt zu streuen und Buße zu tun für etwas, wofür ich nichts kann, was ich nie gewollt oder befürwortet oder unterstützt noch irgendeinen Einfluß darauf gehabt habe. Selbst meine Eltern waren zur damaligen Zeit der Machtübernahme des Hitlerregimes noch nicht geboren. Also - was soll das Ganze?!

Aber. (es gibt immer ein aber)
Wenn es nicht die heute lebenden Personen sind, die die Schuld tragen und sich dafür entschuldigen zu müssen glauben, dann definitiv die politischen und wirtschaftlichen Systeme und Metasysteme. Deswegen finde ich es nicht schlecht, wenn dieses Jahr öffentlich und offiziell über die Gründe und Ursachen und Auslöser für den 1. Weltkrieg reflektiert wird. Ich hoffe nur, daß sich alle damals beteiligten Länder über eins im klaren sind: ein Krieg wird niemals aus einer Laune heraus geführt. Es gibt immer massive wirtschaftliche und politische Gründe, und eine jahrelange, wenn nicht jahrzehntelange Vorbereitung. Die Kriegspläne sind schon fix und fertig (auch über die modernen Zeiten brauchen wir uns keinen Illusionen hinzugeben über ein ach so friedliebendes und kriegablehnendes Europa, die Pläne für Krieg Nr. 3 sind bereits fertig und warten nur noch auf die Umsetzung), wenn es zu einer Kriegserklärung kommt. Ich bin auch der Überzeugung, daß in Wahrheit kein einziges Land überrascht ist, wenn ein Krieg beginnt. Die Herren und Damen Politiker tun aber immer so, als wenn er so super überraschend gekommen wäre - um ihr Gesicht zu wahren, ihre Hände in Unschuld zu waschen und möglichst hart den bösen Aggressor verurteilen zu können.
Es wäre an der Zeit, ehrlich und ohne an den eigenen politischen Vorteil zu denken, die Ursachen aufzuarbeiten.

Jahrestag 1. Weltkrieg. Ein Jahrestag vom negativen Typ. ;-) Streichen oder akzeptieren?

weiterführende Website: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article121848478/Die-Deutschen-wollen-so-gern-alleine-schuld-sein.html  - sehr guter Text. Viel besser als ich es könnte (da ich schließlich kein Historiker bin), wird der Finger auf den wunden Punkt gelegt.

Best wishes, Sathiya

Freitag, 24. Januar 2014

Negative Jahrestage

Negative Jahrestage sind unschön.
Erinnerungen an unschöne Zeiten. Bei manchen konzentrieren sie sich seltsamerweise auf die Nachweihnachtszeit, den Januar. Was sagt das über diejenigen aus? Über deren gutgemeinte, ambitionierte und leider schon gebrochene Neujahrsvorsätze? Oder über ihr nachweihnachtliches nicht erwartungsgemäß erfülltes Harmoniebedürnis? ;-) Sind sie am Ende Opfer einer um Monate verschobenen ausgelebten Novemberdepression? Oder einfach dem trüben kalten dumpfen Wetter geschuldet?

Sagt man, die Zeit heilt alle Wunden? Sagt man.
Sagt man, daß man mit der Zeit vergißt? Sagt man.
Ich kann Jahrestage der negativen Sorte nicht leiden.
Von mir aus können sie ausfallen. Aus dem Kalender geschnitten werden. Einfach nicht stattfinden.

Habe ich positive Jahrestage?
Na klar, natürlich. Geburtstage, gute Entscheidungen, Erlebnisse, Begegnungen... Erinnerungen an Augenblicke, Menschen, Ereignisse, Triumphe, Glück. Sie erfüllen meine Seele mit Licht.
Meine negativen Jahrestage sind auch auf den Januar konzentriert. (Ich werde sie nicht weiter beschreiben, da sie mehr oder weniger den normalen Lektionen der University of Life entsprechen.) Sie verdecken das Licht. Und irgendwie werden sie jedes Jahr ein Stückchen negativer. Ich empfinde den salzig-bitteren Geschmack der Niederlagen, Enttäuschungen, Schmerzen, des Kummers jedes Jahr stärker. Ich frage mich jedes Jahr ein wenig eindringlicher, wo und wann und wie ich eine andere, bessere Entscheidung hätte treffen können/sollen/müssen. Ich werde mir selbst gegenüber kritischer und intoleranter. Das Spielchen Was-wäre-wenn droht mich meiner Seelenruhe zu berauben.

Aufarbeitung beim Psychologen? Flucht in Arbeit, Ablenkungen, virtuelle Welten? Habe ich alles schon versucht, und es bringt mich nicht weiter. Deswegen - plädiere ich für die Abschaffung der negativen Jahrestage. ;-)
Alternativ rückhaltlose Akzeptanz. Akzeptanz dessen, was mich unter anderem zu der Perönlichkeit geformt hat, die ich jetzt in diesem Moment bin. Loslassen des Schmerzes, der Verletzungen, der häßlichen Erinnerungen.
Let´s roll!!

"Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." (aus dem Zusammenhang gerissen und frei zitiert nach NT Johannes 8,2–11)

Montag, 20. Januar 2014

Pflegenot

Ich erzähle solche Geschichte ja nicht gern selbst, aber diese hier ist direkt aus dem Leben:

http://pflegenot2014.wordpress.com/2014/01/19/ich-habe-sie-gehort   (kein Hyperlink)

Eine Schicht auf einer Intensivstation, irgendwo und irgendwann in Deutschland. Es könnte überall sein. Und jeder Mensch, der einem begegnet, könnte eine Pflegekraft sein, die gerade ihren Dienst auf Intensiv hinter sich hat, an welchem sie wie schon oft zuvor an ihre Grenzen, mental, psychisch, physisch, gelangt ist.
Für mich ein Blick zurück. Nicht lustig. Die Beschreibung des Dienstes liest sich ziemlich hektisch, teils unorganisiert, unstrukturiert, man fragt sich, wie man nur so arbeiten kann, - und ist leider kein Stück übertrieben...

Wer Intensivstationen von innen kennt, weiß, daß sie meist unübersichtlich, verwinkelt, mit langen Wegen gebaut sind (weiß Gott, den Architekten bekäme ich gern mal in die Finger), und teilweise in Räumlichkeiten residieren, die für ganz anderes vorgesehen waren. Dazu kommt, daß zu wenige Pflegepersonen für zu viele Patienten verantwortlich sind, und rein zeitlich gesehen schon die größte Mühe haben, den ganz normalen Arbeitsumfang zu bewältigen, von Notfällen, Besuchern und klingenden Patienten mal ganz zu schweigen. Rennende Schwestern sind ein alltäglicher Anblick und außer in Fernsehserien nicht romantisch oder gar heroisch.

Tage wie diesen kenne ich nur zu gut, und meist war ich einfach nur heilfroh, wenn sie endlich vorbei waren und keiner gestorben. Und die Ablösung pünktlich kam (wenn sie kam). Um zuhause todmüde ins Bett zu fallen oder gereizt herumzufauchen und mindestens eine Stunde RUHE vor Beginn des Familienprogramms zu brauchen. An die Patienten, die leidend auf ihre Medikation warten oder gar noch mehr brauchen als arbeitstechnisch einkalkuliert ist, darf man überhaupt nicht denken... von Notfällen ganz zu schweigen. Zynismus, Verrohung und Burnout sind vorprogrammiert.
Kein Wunder, daß der Großteil des Personals auf Intensivstationen relativ jung ist, denn ab einem gewissen Alter schafft man das rein körperlich nicht mehr. Der Streß ist immens, dazu die extreme Verantwortung. (Von den Ärzten rede ich mal nicht, die haben´s auch nicht einfach - was ja auch keiner anders behauptet hat ;-) - und sie haben längst ihre eigene Bibel - The House Of God)

Ich unterstütze die Intention des Blogs Pflegenot, den Pflegenden eine Stimme zu geben.

Die Ist-Situation:
Das Pflegepersonal ist nicht überfordert, sondern unterbesetzt und unterbezahlt.
Das Pflegepersonal ist sogar alarmierend unterbesetzt; die Patientenschlüssel, die ohnehin schon extrem knapp kalkuliert sind, werden nicht eingehalten, sondern im Einzelfall bis zu 50 % unterschritten.
Das Pflegepersonal ist keine wegkürzbare Position im Klinikhaushalt, sondern notwendiger Aktivposten.
Das Pflegepersonal lebt von kleinsten Anerkennungen und ist in der Lage, mit minimalem Lob und so gut wie keinem finanziellen Ansporn maximale Leistungen zu bringen. Sie arbeiten auf Stationen, die häufig mehrere freie nicht besetzte Stellen haben, und müssen trotzdem die volle Leistung bringen. Die ersten, die freiwillig auf Teile ihres Gehaltes verzichten, sind Pflegekräfte. Und meist auch die einzigen. Weil man es von ihnen erwartet. Weil ja jeder pflegen kann - dazu gehöre ja nicht viel... deswegen könne man erwarten, daß da finanziell zurückgesteckt wird. Fremde Hintern abwischen wird man wohl noch hinkriegen... *böse grins* (höchstpolitischerseits festgestellt. Von Gabriel, wenn ich mich nicht irre? Oder war es Steinmeier?)
Das Pflegepersonal leidet außerdem massiv am Helfersyndrom.
(Unter Pflegepersonal verstehe ich hier examinierte Pflegekräfte. Pflegehelfer, Angelernte und Aushilfen tun ebenfalls ihr bestes, ich möchte ihre Leistung in keiner Weise schmälern.)

Das Pflegepersonal braucht endlich eine Stimme, die ihre Interessen vertritt, da sie es selbst nicht schaffen. Warum? Weil sie nach Arbeitstagen wie diesen einfach keine Zeit und Kraft mehr übrig haben, sich resolut für ihre eigenen Interessen einzusetzen. Weil sie sich stattdessen erholen müssen, um weiterhin Kranke pflegen zu können, und dies auch wollen. Hier kommt die Bezeichnung Beruf tatsächlich noch von Berufung... Wenn man sie pflegen läßt (anstatt sie zu irrwitziger Dokumantationsbürokratie zu zwingen) und sie adäquat bezahlt. -  Ich wünsche mir:
Weniger Dokumentation, dafür mehr Pflege am Kranken.
Weniger Gewicht auf materiell abhakbare (Behandlungs-)Pflege, mehr Gewicht auf die Beziehungen zwischen Patient und Pflegekraft (Vertrauen, Stetigkeit, Zuverlässigkeit). Pflege ist auch mal ein Gespräch, die Hand halten, zuhören. Dazu gehören auch weniger Patienten pro Pflegekraft, vernünftigere und der tatsächlichen Leistung angepaßte Bezahlung.
Kein Kosteneinsparen auf dem Rücken des Pflegepersonals.
Keine Personalkürzungen bei gleichbleibendem oder gar steigenden Arbeitsumfang.
Kein Ersatz der examinierten/erfahrenen Kräfte durch Billiglöhner, Pflegehelfer und Praktikanten (alles schon gehabt - für alle Beteiligten der pure Horror! Man konnte schon froh sein, wenn sie wenigstens deutsch sprachen...).
Überstunden sollten die Ausnahme sein und nicht die Regel.
Urlaub wird in Zeit gewährt und nicht ausbezahlt (... weil man ja so gern auch in seinem gesetzlich vorgeschriebenen Erholungsurlaub auf Intensiv arbeitet. Für einzelne mag das durchaus zutreffen, aber hallo? ich habe noch ein Privatleben, wie so viele andere).

Ist das Utopie?
Keineswegs. Sondern der richtige Weg. Heute ist es leider so, daß pro Jahr mehrere Zehntausend (!!) Patienten in Krankenhäusern infolge von Behandlungsfehlern sterben - Behandlungsfehler, die leider nicht nur den Ärzten anzulasten sind, sondern auf ineffiziente Strukturen, Kommunikationsprobleme, Übermüdung infolge von Doppelschichten, Arbeitsüberlastung und auch Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal zurückzuführen sind.

Heal the world, make it a better place...  ;-)  Sathiya